Zahnschmerzen im Flugzeug, und was der Druck über Ihren Zahn verrät
Beim Steigflug meldet sich ein Zahn, am Boden war nichts. Das ist kein Zufall. Der Kabinendruck macht sichtbar, was vorher schon da war.
Am Gate ist alles ruhig. Zehn Minuten nach dem Start meldet sich ein Zahn, erst ziehend, dann stechend, und am Reiseziel ist es wieder vorbei. Wer das einmal erlebt hat, hält es für eine Laune des Körpers. Das ist es nicht. Der Kabinendruck hat lediglich hörbar gemacht, was vorher schon vorhanden war.
Was im Zahn passiert, wenn das Flugzeug steigt
Eine Verkehrsmaschine ist im Reiseflug nicht auf Meereshöhe gedruckt, sondern auf etwa 1.800 bis 2.400 Meter. Der Umgebungsdruck sinkt also spürbar, ungefähr auf das Niveau eines Alpenpasses.
Gase dehnen sich aus, wenn der Druck um sie herum fällt. Das gilt für die Luft im Mittelohr, für die Nasennebenhöhlen und ebenso für jedes noch so kleine Gaspolster im Zahn. Sitzt so ein Polster in einem Hohlraum unter einer Füllung, in einer kariösen Stelle oder in einem nicht vollständig gefüllten Wurzelkanal, dann drückt es beim Steigflug nach außen gegen genau das Gewebe, das Schmerz meldet.
Der Fachbegriff dafür lautet Barodontalgie. In der Flug- und Tauchmedizin ist sie gut bekannt, in Zahnarztpraxen wird sie selten beim Namen genannt, weil sie am Behandlungsstuhl nie auftritt.
Wichtig ist die Richtung des Zusammenhangs: Der Flug verursacht den Schaden nicht, er legt ihn offen. Ein gesunder, dichter Zahn hat keinen Hohlraum, in dem sich Gas ausdehnen könnte, und der bleibt auch in elf Kilometern Höhe still.
Wann der Schmerz kommt, sagt etwas aus
Merken Sie sich, in welcher Flugphase es weh tat. Das ist für die Untersuchung danach eine der nützlichsten Angaben, die Sie mitbringen können.
Beim Steigflug, während der Druck fällt, meldet sich typischerweise ein Zahn mit noch lebendem, aber entzündetem Nerv. Der Schmerz setzt oft innerhalb weniger Minuten ein und ist scharf.
Beim Sinkflug, wenn der Druck wieder steigt, meldet sich eher ein Zahn, dessen Nerv bereits abgestorben ist, oder eine Entzündung an der Wurzelspitze. Dieser Schmerz ist häufig dumpfer und lässt sich schlechter einem einzelnen Zahn zuordnen.
Beides ist ein Hinweis, keine Diagnose. Aber es ist ein guter Hinweis, und er kostet Sie nichts außer der Aufmerksamkeit.
Nicht jeder Zahnschmerz im Flugzeug ist ein Zahn
Sitzt der Schmerz in den oberen Backenzähnen und betrifft gleich mehrere davon, ist die Kieferhöhle der häufigere Verursacher. Deren Boden liegt bei vielen Menschen dicht an den Wurzelspitzen, manchmal ragen die Wurzeln sogar hinein. Ist die Schleimhaut dort geschwollen, etwa bei einem Infekt oder einer Allergie, findet kein Druckausgleich statt, und der Druck wird als Zahnschmerz wahrgenommen.
Das Unterscheidungsmerkmal ist meist einfach. Ein Zahnproblem betrifft einen Zahn. Ein Kieferhöhlenproblem betrifft eine ganze Region, wird beim Vornüberbeugen schlimmer und geht oft mit verstopfter Nase einher.
Wer mit einer Erkältung fliegt, sollte das ohnehin wissen. Für die Zähne gilt dasselbe wie für die Ohren.
Was Sie vor einem Flug tun können
Fliegen Sie nicht mit einem Zahn, der schon am Boden weh tut. Was unten zieht, wird oben nicht besser. Ein akut entzündeter Zahn gehört vor die Reise, nicht danach.
Achten Sie auf provisorische Verschlüsse. Eine Wurzelbehandlung läuft in der Regel über zwei Sitzungen, und dazwischen sitzt ein provisorischer Verschluss auf dem Zahn. Darunter kann Luft eingeschlossen sein. Genau das ist die Konstellation, die im Steigflug unangenehm wird. Wenn zwischen der ersten Sitzung und Ihrem Abflug wenig Zeit liegt, sagen Sie das bitte vorher. Es lässt sich einplanen.
Ein fertig behandelter Zahn ist kein Problem. Ist das Kanalsystem gereinigt, dicht gefüllt und der Zahn definitiv verschlossen, gibt es keinen Hohlraum mehr, in dem sich Gas ausdehnen kann. Genau darum geht es bei einer dichten Wurzelfüllung, ganz unabhängig vom Fliegen.
Lassen Sie eine bekannte Baustelle vorher ansehen. Ein Zahn, der seit Wochen anders auf Kälte reagiert als früher, ist der Kandidat, der sich auf dem Nachtflug meldet.
Wenn es im Flug passiert
Viel lässt sich in der Kabine nicht ausrichten, aber ein paar Dinge helfen.
Etwas Kaltes aus dem Getränk kurz auf den Zahn wirken zu lassen, tut bei einem entzündeten Nerv oft gut. Wärme dagegen verschlimmert eine solche Entzündung in aller Regel.
Ein Schmerzmittel, das Sie vertragen, ist sinnvoll, und zwar eher früh als spät, damit es wirkt, bevor der Sinkflug beginnt.
Nicht sinnvoll ist es, eine Tablette auf das Zahnfleisch zu legen. Das ist ein hartnäckiges Hausmittel, es hilft dem Zahn nicht und hinterlässt an der Schleimhaut eine Verätzung.
Nach der Landung in Köln
Der Flughafen liegt in Porz, die Praxis in der Innenstadt. Mit der S-Bahn sind Sie in gut einer Viertelstunde am Hauptbahnhof und von dort in wenigen Minuten am Appellhofplatz.
Wenn Sie mit akuten Beschwerden landen, rufen Sie bitte an, statt zu schreiben: 0221 123336. Wir behandeln von Montag bis Freitag und versuchen bei akuten Schmerzen, zeitnah einen Platz zu finden. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der zahnärztliche Notdienst der Zahnärztekammer Nordrhein weiter. Bei einer Schwellung mit Fieber oder Schluckbeschwerden fahren Sie bitte direkt in eine Notaufnahme, das ist kein Fall zum Abwarten.
Kurz gefasst
Der Kabinendruck erzeugt keine Zahnschmerzen, er findet sie. Ein Zahn, der im Flugzeug weh tut, hatte vorher schon ein Problem, meist einen entzündeten oder abgestorbenen Nerv oder eine undichte Stelle. Das Ziehen im Steigflug ist deshalb kein Reisepech, sondern ein Befund, dem Sie nachgehen sollten.