Revision einer Wurzelbehandlung
Eine Revision ist die erneute Wurzelbehandlung eines bereits behandelten Zahnes. Sie kommt infrage, wenn Beschwerden bleiben oder wiederkehren oder das Röntgenbild eine Entzündung an der Wurzelspitze zeigt. Dabei wird das alte Füllmaterial vollständig entfernt, das Kanalsystem erneut gereinigt und desinfiziert und dicht verschlossen. In vielen Fällen lässt sich ein Zahn so doch noch erhalten, der bereits als verloren galt.
- Dauer 90 bis 120 Minuten je Sitzung
- Sitzungen meist 2
- Anlass Beschwerden oder Befund im Röntgenbild
- Ziel Zahnerhalt statt Extraktion
Warum eine Wurzelbehandlung scheitern kann
Eine Wurzelbehandlung ist kein Eingriff, der entweder gelingt oder misslingt. Sie kann jahrelang unauffällig sein und dann Beschwerden machen. Die Gründe dafür sind meist gut nachvollziehbar und liegen selten an mangelnder Sorgfalt, sondern an der Anatomie und an den Grenzen dessen, was ohne Vergrößerung erkennbar ist.
Der mit Abstand häufigste Grund ist ein übersehener Kanal. Besonders der zweite Kanal in der mesiobukkalen Wurzel oberer Backenzähne wird ohne Mikroskop regelmäßig nicht gefunden. Er bleibt dann ungereinigt, die Bakterien darin bleiben aktiv, und die Entzündung besteht fort, obwohl die anderen Kanäle einwandfrei gefüllt sind.
- Ein Kanal wurde nicht gefunden und blieb unbehandelt
- Die Wurzelfüllung reicht nicht bis zur Wurzelspitze oder ist undicht
- Ein Instrument ist im Kanal abgebrochen und blockiert ihn
- Über eine undichte Füllung oder Krone sind erneut Bakterien eingedrungen
- Der Zahn hat einen Riss, der bisher nicht erkannt wurde
Was bei einer Revision anders läuft
Eine Revision ist deutlich anspruchsvoller als eine Erstbehandlung. Zunächst muss das alte Füllmaterial vollständig heraus, und zwar aus allen Kanälen und bis zur Spitze. Guttapercha lässt sich mit Wärme und Lösungsmitteln entfernen, alte Zemente oder Stifte sind deutlich hartnäckiger. Das geschieht Millimeter für Millimeter unter dem Mikroskop.
Danach beginnt die eigentliche Suche: Wo ist der Kanal, der beim ersten Mal nicht gefunden wurde? Hier zahlt sich Erfahrung unmittelbar aus, weil man weiß, an welcher Stelle der jeweilige Zahntyp seine versteckte Anatomie hat.
Ist ein Instrument abgebrochen, wird versucht, es unter Ultraschall herauszulösen. Gelingt das nicht, kann häufig daran vorbei gearbeitet werden, sodass der Kanal trotzdem auf ganzer Länge desinfiziert wird.
Wann eine Revision sinnvoll ist und wann nicht
Sinnvoll ist eine Revision, wenn der Zahn ansonsten stabil ist, genug gesunde Substanz vorhanden ist und keine durchgehende Längsfraktur vorliegt. In diesen Fällen ist der Erhalt des eigenen Zahnes fast immer die bessere Wahl als Ziehen und Ersetzen.
Nicht sinnvoll ist sie bei einer durchgehenden Längsfraktur der Wurzel oder wenn so wenig Zahnsubstanz übrig ist, dass keine dichte Versorgung mehr möglich wäre. Solche Befunde lassen sich unter dem Mikroskop meist zuverlässig erkennen. Wir sagen es Ihnen dann klar, statt eine aufwendige Behandlung zu beginnen, die absehbar nicht trägt.
Führt die Revision allein nicht zum Ziel, besprechen wir offen, welche Möglichkeiten dann noch bleiben und ob sie den Aufwand für genau diesen Zahn lohnen.
Schritt für Schritt
- 01
Befund und ehrliche Einschätzung
Wir beurteilen die vorhandene Wurzelfüllung, die Knochensituation und die Restsubstanz des Zahnes. Sie erfahren offen, wie die Chancen für diesen konkreten Zahn stehen.
- 02
Zugang und Entfernung der alten Füllung
Krone oder Füllung werden eröffnet, das alte Wurzelfüllmaterial wird unter dem Mikroskop vollständig entfernt.
- 03
Suche nach dem übersehenen Kanal
Systematisches Absuchen des Kanalbodens unter Vergrößerung. Hier entscheidet sich in den meisten Fällen der Erfolg der Revision.
- 04
Hindernisse beseitigen
Abgebrochene Instrumente oder Stifte werden mit Ultraschall gelöst oder umgangen, Perforationen werden verschlossen.
- 05
Desinfektion über mehrere Wochen
Zwischen den Sitzungen wirkt eine medikamentöse Einlage. Bei hartnäckigen Entzündungen ist das der Schritt, der den Unterschied macht.
- 06
Neue Wurzelfüllung und Verschluss
Das System wird dreidimensional gefüllt und der Zahn dicht verschlossen. Eine Kontrolle nach sechs bis zwölf Monaten zeigt, wie der Knochen ausheilt.
Häufige Fragen
Meine Wurzelbehandlung tut immer noch weh. Was heißt das?
Anhaltende oder wiederkehrende Beschwerden nach einer Wurzelbehandlung sind ein Hinweis darauf, dass im Kanalsystem noch Bakterien aktiv sind, häufig in einem nicht gefundenen Kanal. Das ist kein Grund, den Zahn aufzugeben. Eine Untersuchung unter dem Mikroskop klärt meist schnell, woran es liegt.
Lohnt sich ein zweiter Versuch überhaupt?
In den meisten Fällen ja. Wenn der Grund für das Scheitern ein übersehener Kanal oder eine undichte Füllung war, lässt sich genau das gezielt beheben. Die Erfolgsaussichten einer Revision liegen unter guten Bedingungen im Bereich von 70 bis 85 Prozent. Gemessen an der Alternative, den Zahn zu verlieren, ist das ein sehr guter Wert.
Was ist, wenn ein Instrument abgebrochen ist?
Das ist häufiger, als viele denken, und selten ein Grund, den Zahn zu ziehen. Unter dem Mikroskop lässt sich ein Fragment oft mit Ultraschall herauslösen. Gelingt das nicht, kann meist daran vorbei bis zur Wurzelspitze gearbeitet werden. Entscheidend ist nicht, dass das Metall heraus ist, sondern dass der Kanal auf ganzer Länge desinfiziert wird.
Muss die Krone dafür zerstört werden?
Nicht zwingend. Häufig kann durch die vorhandene Krone hindurch gearbeitet und der Zugang danach dicht verschlossen werden. Ist die Krone allerdings undicht oder passt sie nicht mehr, ist eine Erneuerung ohnehin sinnvoll, weil sonst erneut Bakterien eindringen.
Wie lange muss ich warten, bis klar ist, ob es geholfen hat?
Beschwerdefreiheit stellt sich meist innerhalb weniger Wochen ein. Ob der Knochen an der Wurzelspitze wieder aufbaut, zeigt eine Röntgenkontrolle nach sechs bis zwölf Monaten. Knochen heilt langsam, deshalb dieser Abstand.
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